Windows: Voreinstellungen für Blinde

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Voreinstellungen für blinde Anwender

Eine Neuinstallation von Windows 7 ist in ihrer Grundeinstellung für blinde und sehbehinderte Menschen nur unzureichend zugänglich. Viele der Standardeinstellungen erschweren den produktiven und zeiteffizienten Einsatz. Dieses Lehrbuch setzt daher die hier vorgestellten Einstellungen voraus.

Visuelle Effekte

Microsoft hat bei Windows 7 viel Aufwand betrieben, um die Bedienungsoberfläche visuell ansprechend zu gestalten. Wichtig ist dabei zu wissen, dass jedes grafische Extra die Ressourcen des Computers belastet. Sehbehinderte und blinde Anwender profitieren nicht von den grafischen Effekten. Sie sollten aufgrund dessen am Besten soweit wie möglich ausgeschaltet werden. Dadurch wird die Gestaltung der Fenster auf die aus Windows 9x und 2000 bekannte Darstellung zurückgesetzt.

Vorgehen:

Sie öffnen die SYSTEMEIGENSCHAFTEN durch Drücken der Tastenkombination WINDOWS+PAUSE und wählen unter dem Karteireiter ERWEITERT unter LEISTUNG den Schalter EINSTELLUNGEN. In dem sich öffnenden Fenster LEISTUNGSOPTIONEN wählen Sie den Punkt FÜR OPTIMALE LEISTUNG ANPASSEN und bestätigen danach die Änderung durch das Drücken des OK oder ÜBERNEHMEN Schalters.

Startmenü

Das Startmenü von Windows 7 ist für blinde Anwender umständlicher zu bedienen als das von Windows 9x und Windows 2000 bekannte klassische Startmenü. Das liegt zum einen daran, dass sich seine Inhalte in Abhängigkeit der zuletzt aufgerufenen Programme permanent verändern können, zum anderen daran, dass es nicht einfach zu durchschauen ist, wann man zum Aktivieren einer Funktion rechts/links und wann hoch/runter navigieren muss. Zudem werden manche Inhalte nicht sofort angezeigt, sondern nur mit Verzögerung. Diese Verzögerung soll die Übersichtlichkeit der Menüs für sehende Menschen erhöhen, kann aber auch sehr verwirren, da man gesuchte Einträge nicht sofort wiederfindet. Aus diesem Grund sollten Sie dem klassischen Startmenü den Vorzug geben und immer alle Menüelemente einblenden. Generell ist es empfehlenswert das Eingabefeld vom Startmenü zu nutzen, in das man das gewünschte Programm eingibt und mit ENTER bestätigt.

Vorgehen:

Sie öffnen die SYSTEMSTEUERUNG und wählen den Punkt TASKLEISTE UND STARTMENÜ. Unter dem Karteireiter TASKLEISTE deaktivieren Sie unter TASKLEISTENDARSTELLUNG die Punkte TASKLEISTE FIXIEREN und TASKLEISTE AUTOMATISCH AUSBLENDEN sowie (auf Wunsch) KLEINE SYMBOLE VERWENDEN. Als Postion der Taskleiste wählen sie UNTEN und unter Schaltflächen der Taskleiste IMMER GRUPPIEREN, BESCHRIFTUNGEN AUSBLENDEN. Unter INFOBEREICH und dem Schalter ANPASSEN können individuell Symbole und Benachrichtigungen gewählt werden, die auf der Taskleiste angezeigt werden. Als Nächstes gehen Sie auf den Karteireiter STARTMENÜ. Sie deaktivieren folgende Kontrollfelder: ZULETZT GEÖFFNETE PROGRAMME IM STARTMENÜ SPEICHERN UND ANZEIGEN und ZULETZT GEÖFFNETE ELEMENTE IM STARTMENÜ UND IN DER TASKLEISTE SPEICHERN UND ANZEIGEN.

Deaktivieren der Schnellstart-Leiste

Die Schnellstartlesite befindet sich direkt rechts neben dem Start Schalter am unteren Bildschirmrand. Sie ermöglicht es Mausbenutzern Verknüpfungen zu häufig verwendeten Programmen, Ordnern oder Dateien als kleine Symbole in der Taskleiste abzulegen. Die in der Taskleiste abgelegten Verknüpfungen sind immer auf dem Bildschirm sichtbar und können daher besonders schnell vom Benutzer aufgerufen werden. Leider erkennt Jaws diese Windows-Komponente nicht. Wird die Schnellstartleiste angesprungen, sagt JAWS nur "Werkzeugleiste" an. Die Schnellstartleiste sollte daher deaktiviert werden.

Vorgehen:

Mit WINDOWS+D ruft man den Desktop auf. Mit TAB springen Sie so lange durch die einzelnen Elemente des Desktops bis JAWS "Werkzeugleiste" (oder auch SYMBOLLEISTE STATUSZEILE) ansagt. Drücken Sie die APPLIKATIONSTASTE (auch bekannt als "KONTEXTMENÜ-Taste") und wählen dann mit AB den Eintrag EIGENSCHAFTEN. In dem Reiter TASKLEISTE aktivieren Sie das Kontrollfeld TASKLEISTE AUTOMATISCH AUSBLENDEN. Drücken Sie EINGABE.

Windows-Explorer und Computer

Der Windows-Explorer und der Computer (ehemal. Arbeitsplatz) ist das wichtigste Werkzeug von Windows 7. In seiner Voreinstellung orientiert er sich stark an den von Microsoft als gut für Sehende angenommenen Standards. So werden Dateitypen nur über ihre ikonische Darstellung voneinander unterschieden und die Anordnung der Dateien erfolgt in einer blockartigen Liste, durch welche man nicht nur vertikal, sondern auch horizontal navigieren muss, was sie für blinde Anwender schwer erfahrbar macht. Besser geeignet ist eine Anzeige der Dateien mit ihren Dateiendungen in Listenform, durch welche man nur vertikal navigieren muss und welche gleich alle relevanten Informationen über eine Datei anzeigt. Außerdem ist es hilfreich, die Statusleiste und die Adressleiste einzublenden. Der Computer und der Explorer sind prinzipiell dasselbe, nur dass man verschiedene Startpunkt hat. Wenn man den Explorer startet, befindet man sich automatisch in der Bibliothek. Nun muss man einmal die RÜCK-Taste drücken, um den Computer starten zu können. Startet man hingegen den Computer befindet man sich automatisch bei der Auflistung der Laufwerke.

Vorgehen:

Sie öffnen den Computer (WINDOWS+E) und nehmen im Menü ANSICHT einige Einstellungen vor. Zuerst setzen Sie den Ansichtstyp auf DETAILS. Gehen Sie anschließend in das Untermenü von SYMBOLLEISTEN. Aktivieren Sie im Menü ANSICHT im Untermenü ANORDNEN NACH den NAME und deaktivieren IN GRUPPEN ANZEIGEN.

Ordneransicht einstellen

Wichtig sind hier die Dateinamenerweiterungen. Diese werden von Windows in der Voreinstellung nicht angezeigt. Während Sehende den Dateityp leicht über das für die Datei vergebene Symbol erkennen können, sollten Blinde die Anzeige der Dateinamenserweiterung einschalten. Einige Passagen des "ECDL-Wikis für Blinde" beziehen sich auf Ordner, die von Windows in der Standardeinstellung als "Versteckte Ordner" geführt werden. Das hat zur Folge, dass diese Ordner zunächst nicht sichtbar sind. Microsoft stellt das ein, damit in diesen Ordnern, die systemwichtige Dateien enthalten, nicht vorschnell etwas gelöscht werden kann. Trotzdem empfehlen wir, diese Ordner sichtbar zu machen. Der wichtigste Ordner hierzu ist C:\Dokumente und Einstellungen in dem sich beispielsweise der Ordner Startmenü des Benutzers befindet.

Vorgehen:

Diese Einstellungen kann man beispielsweise aus dem COMPUTER heraus vornehmen. Dort gehen Sie im Menü auf den Menüpunkt EXTRAS-ORDNEROPTIONEN. Man wechselt auf die Registerkarte ANSICHT und deaktiviert im Listenfeld ERWEITERTE EINSTELLUNGEN das Kontrollfeld ERWEITERUNGEN BEI BEKANNTEN TYPEN AUSBLENDEN und stellt den Optionsschalter zu VERSTECKTE DATEIEN UND ORDNER auf AUSGEBLENDETE DATEIEN, ORDNER UND LAUFWERKE ANZEIGEN (statt VERSTECKTE DATEIEN, ORDNER UND LAUFWERKE NICHT ANZEIGEN). Abschließend betätigt man den Schalter ÜBERNEHMEN, sonst beziehen sich die Einstellungen nur auf den gerade aktuellen Ordner. Auf der Registerkarte ALLGEMEIN ist es sinnvoll die Einstellung JEDEN ORDNER IM SELBEN FENSTER ÖFFNEN beizubehalten, da sonst jeder neu geöffnete Ordner ein neues Ordnerfenster öffnet und ganz schnell der Überblick verloren geht.

Fehlerberichterstattung

Die Fehlerberichterstattung soll Microsoft dabei helfen, die Ursachen für einen Programmabsturz zu analysieren und darauf aufbauend den Fehler in künftigen Windows-Revisionen zu beheben. Wird ein Programm durch einen Fehler unerwarteterweise beendet, so wird der Benutzer gefragt, ob er eine Meldung darüber über das Internet an Microsoft schicken möchte. Dieser Mechanismus, so gut er auch gemeint sein mag, kann aber, wenn er auf einem Computer mit häufigen Programmabstürzen eingeschaltet ist, auch sehr störend sein. Plötzlich öffnet sich ein Fenster, mit dem ein unbedarfter Windowsbenutzer nichts anzufangen weiß. Aus diesem Grunde sollte man diesen Dienst ausschalten.

Vorgehen:

Bei Windows 7 öffnen Sie über das Startmenü (WINDOWS-Taste) die "Systemsteuerung und wählen dann unter "Systemsteuerung" / "Wartungscenter" / "Wartungscentereinstellungen ändern" / "Einstellungen für Problemberichterstattung" NIE NACH LÖSUNGEN SUCHEN.